Markus Balleisen
Markus Balleisen
19. Dezember 2022
Wie können Estriche, die noch nicht belegereif sind, dennoch belegt werden? Fliesen verlegen auf jungen Estrichen/Heizestrichen – Zeit und Energie

Estriche müssen trocken sein, um darauf einen Oberbelag aus Fliesen oder Naturstein verlegen zu können. Der Feuchtegehalt ist vor der Verlegung mittels CM-Messung zu überprüfen. Beheizte Zementestriche dürfen nicht mehr als 1,8 CM-%, unbeheizte max. 2,0 CM-% haben. Estriche müssen somit mehrere Wochen trocknen, damit diese Anforderung erfüllt werden kann.
Werden die hochwertigen Flexkleber der PCI verwendet, ist eine Belegung der Zementestriche bereits bei einer Restfeuchte von 4 CM% möglich. Doch auch diesen Wert zu erreichen braucht seine Zeit.
Eine frühere Belegung von Estrichen, ohne nennenswerte Wartezeiten, ist mit geeigneten Produkten/Produktsystemen möglich. Dabei sind Zement- und Calciumsulfatestriche zu unterscheiden.

1.1 Frühes Belegen von Zementestrichen mit hochflexiblem Fliesenkleber

Das Belegen von Zementestrichen mit Fliesen ist bereits möglich, sobald der frisch eingebaute Estrich begehbar ist. In der Regel wird dies nach ca. 3 Tagen der Fall sein. Das Feststellen der Haushaltsfeuchte mittels CM-Gerät entfällt.

Als Verlegemörtel ist ein hochflexibler Fliesenkleber einzusetzen, denn wir dürfen nicht vergessen, dass der Estrich zwar langsamer und weniger, aber noch messbar, schwinden wird. Damit aus dem Schwinden, also dem Verkürzen der Estrichscheibe keine schädigenden Scherkräfte hervorgehen, muss der Fliesenkleber dieses Schwinden kompensieren. Das kann PCI Flexmörtel S2.

Dabei ist von Vorteil, dass der Zementestrich tatsächlich möglichst bald nach seinem Einbau belegt wird. Findet die Belegung erst nach einer Woche oder noch später statt, kann es, durch Trocknungsvorgänge, bereits zu einem „Verschüsseln“ der Estrichscheibe gekommen sein. Wird ein verschüsselter Estrich belegt, so ist später mit Abrissen der Silikonfugen zu rechnen.

Tipp: bereits verschüsselte Estriche „begradigen“ sich meist, wenn die Oberfläche stark angefeuchtet und mit Folie abgedeckt wird.

1.1	Frühes Belegen von Zementestrichen mit hochflexiblem Fliesenkleber
1.2 Frühes Belegen von Zementestrichen mit AIV-F

1.2 Frühes Belegen von Zementestrichen mit AIV-F

Das Belegen junger Zementestriche ist auch möglich, wenn gleichzeitig eine Verbundabdichtung (AIV) erstellt werden soll. In diesem Fall kann entweder mit flüssig zu verarbeitender Abdichtung (AIV-F) oder mit bahnenförmiger Abdichtung (AIV-B) gearbeitet werden. Die AIV-F PCI Seccoral 1K und PCI Seccoral 2K Rapid übernehmen in diesem Fall die Kompensation der Scherkräfte und übernehmen gleichzeitig die Aufgaben einer funktionalen Abdichtung.

Auf der erhärteten Abdichtung können Fliesen mit PCI Flexmörtel S1, PCI Flexmörtel S1 Flott oder PCI Nanolight verlegt werden.

1.3 Frühes Belegen von Zementestrichen mit Entkopplungsbahn

Gleiches gilt für die Entkopplungsbahn PCI Pecilastic U. Entkopplung vom schwindenden Estrich und gleichzeitig Schützen vor Nässeeinwirkung. Dabei ist darauf zu achten, dass nicht jede Bahnenabdichtung für diese Anwendung geeignet ist. Die meisten Bahnenabdichtungen sind stark wasserdampfbremsend und somit für diese Anwendung ungeeignet. PCI Pecilastic U hingegen wirkt dampfdruckausgleichend, und das bei gleichzeitiger Wasserdichtigkeit.

1.3 Frühes Belegen von Zementestrichen mit Entkopplungsbahn
2. Frühes Belegen von Calciumsulfatestrichen

2. Frühes Belegen von Calciumsulfatestrichen

Calciumsulfatestriche gelten nach einschlägigen Regelwerken als belegereif, wenn ihre Haushaltsfeuchte nicht mehr als 0,5 CM% beträgt. Dies wiederum bedeutet, dass u.U. mehrere Wochen Trocknungszeit abgewartet werden müssen. Doch auch hier kann die Wartezeit mit einem speziellen PCI System verkürzt werden. Durch das Aufkleben der dampfdruckausgleichenden Entkopplungsbahn PCI Pecilastic U mit zementfreiem PCI Lastogum ist eine Belegung bereits bei einer Haushaltsfeuchte <2 CM% möglich.

Vorgehen:

·        Restfeuchte mittels CM-Gerät bestimmen. Erlaubter Wert >2 %.

·        Oberfläche des Estrichs prüfen, ggfls. Abschleifen. Schleifstaub absaugen.

·        Grundieren mit PCI Gisogrund, PCI Gisogrund 404 oder  PCI Gisogrund Rapid.

·        Auftragen von PCI Lastogum mit Zahnleiste, 4er Zahnung

·        Einlegen von PCI Pecilastic U.

·        Am nächsten Tag kann das Verlegen der Fliesen mit z.B. PCI Flexmörtel S1, PCI Flexmörtel S1 Flott oder PCI Nanolight durchgeführt werden.

Sonderbauweise

Diese Problemlöser sind in den Regelwerken noch nicht erfasst, ihre Anwendung ist somit eine Sonderbauweise, die mit dem Auftraggeber schriftlich zu vereinbaren ist. Hilfreich dabei ist die „Nachtragsvereinbarung“, die Sie von unserer homepage, siehe link, downloaden können.

Sonderbauweise

Energie sparen, CO² reduzieren

Noch ein Gedanke: in den einschlägigen Regelwerken ist beschrieben, dass Estriche vor dem Belegen aufgeheizt werden müssen. Dabei ist die Temperatur stufenweise zu steigern und die maximale Vorlauftemperatur für mind. 3 Tage zu halten. Dieser Vorgang des Beheizens entfällt komplett, wenn wie oben beschrieben früh belegt wird. Somit trägt dieses Vorgehen auch zum Einsparen von Heizenergie und zur Reduktion von CO² bei.

Fazit: Estriche können, mit den richtigen Produktsystemen, früh belegt werden. Das spart Zeit und Energie.

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6 Kommentare
Robin
19. Dezember 2022 um 12:54

Liebes PCI Team,

noch eine Frage zum frühen verlegen, ab wann darf nach dem Verlegen der Fliesen mit PCI Nanolight und verfugen mit PCI Nanofug Premium eine Fussbodenheizung in Betrieb genommen werden? Gibt es eine Empfehlung zur ersten Aufheizphase nach den Verlegearbeiten?

Viele Grüße,
Robin

Markus Balleisen
19. Dezember 2022 um 13:16

Hallo Robin,

besten Dank für diese Frage.

PCI Nanolight ist für das Belegen noch feuchter Estriche nicht vorgesehen. Wenn Sie mit PCI Nanolight verlegen wollen, muss der Estrich trocken sein (max. 4 CM%) und das erste Aufheizen des Estrichs muss schon erfolgt sein. Die Heizung darf auch während der Verlegearbeiten laufen, allerdings sollte sie soweit gedrosselt sein, dass die Oberflächentemperatur des Estrichs nicht mehr als 15 °C beträgt. Nach der Verlegung sollten 7 Tage abgewartet werden, dann darf die Heizung, ohne spezielles Prozedere, eingeschaltet bzw. wieder in den Normalbetrieb hochgefahren werden.

Ist Ihre Frage damit ausreichend beantwortet?

Herzliche Grüße

Markus Balleisen

Robin
19. Dezember 2022 um 14:56

Hallo Markus,

vielen Dank für die schnelle Antwort, dann haben wir alles richtig gemacht ;-). Aufheizphase wurde durchgeführt, Restfeuchte hat gepasst nur die sieben Tage waren mir noch nicht klar – damit hast Du mir sehr geholfen. Danke!

Viele Grüße,
Robin

Markus Balleisen
19. Dezember 2022 um 15:17

Hallo Robin,

prima, das freut mich. Weiter so 🙂

Marcel Kröner
19. Dezember 2022 um 09:07

Wie kann die Feuchtigkeit aus den frischen Estrichen trocknen wenn doch bereits ein Fliesenbelag verlegt wurde?

Markus Balleisen
19. Dezember 2022 um 10:31

Guten Morgen Herr Kröner,

gute Frage, die ich gern beantworte. Ein Fliesenbelag ist leicht dampfbremsend, aber, bedingt durch die Verfugung, nicht dampfdicht. Die Restfeuchte des Estrichs kann also durch den Fugenmörtel hindurchdiffundieren und der Estrich somit trocknen. Dabei entsteht ein positiver Nebeneffekt, Die Trocknung des Estrichs findet langsam statt, der Estrich neigt somit nicht zum Verformen und seine Eigenfestigkeit wird höher. Für die Verfugung sollte allerdings nur zementärer Fugenmörtel verwendet werden. Fugenmörtel auf Epoxidharzbasis sind stark wasserdampfbremsend und würden das Austrocknen behindern.
Bei der Verwendung von PCI Pecilastic U trocknet der Estrich über die Struktur der Entkopplungsbahn aus. Die Feuchtigkeit entweicht dann aus Pecilastic U über die Belagsränder, also über die Randfuge zu den Wänden. Hier werden wir oft gefragt, was denn wäre, wenn die Wand aus feuchtigkeitsempfindlichen Werkstoffen besteht, z.B. Gipsputz, Gipskarton- oder Holzspanplatten. Auch hier ist keine Gefahr. Die Austrocknung findet so langsam statt, dass sich keine nennenswerten Mengen an Feuchtigkeit in den Wänden ansammeln könnnen.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage ausreichend beantworten.

Gerne mehr davon 🙂

Beste Grüße
Markus Balleisen

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